Krötenzaun in Sinningen

Deutlich weniger Erdkröten machten sich in diesem Jahr auf Wanderung

Wie in jedem Jahr wandern zu Beginn des Frühlings Kröten, Frösche, Bergmolche und andere Amphibien zu ihren Laichgewässern. Da Straßen ihre Hauptwanderwege durchschneiden und für die Tiere zur tödlichen Gefahr werden, bauen aktive Naturschützer Zäune auf, sammeln die Tiere in Eimern und entlassen sie dann in der Nähe der Laichgewässer wieder in Freiheit.

Seit 2014 gibt es auch „Am Weißen Stein“ in Sinningen, nebenan der Emanuel-von-Kettler-Schule einen solchen Krötenzaun, der unter Leitung von Birgit Bringemeier vom Naturschutzbund in Zusammenarbeit mit der EvK Schule und dem Kindergarten aufgebaut und betreut wird.

So war es auch in diesem Jahr. Unter tatkräftiger Beteiligung der Kinder und ihrer Eltern errichteten sie am 22. Februar den 190Meter langen Zaun entlang der Straße, vergruben Fangeimer und beobachteten das weitere Geschehen. Täglich, jeden Morgen und abends, zu Beginn der Dämmerung kontrollierten sie den Zaun und freuten sich, wenn neben den Erdkröten und Fröschen auch mal ein Molch zu finden war.

Nach wenigen frostigen Nächten sorgte dann die sehr milde Witterung für reichlich Frösche und Kröten, bis Ende März der Krötenzug abbrach. In der letzten Woche konnten so gut wie keine Amphibien mehr beobachtet werden und in einer gemeinsamen Schlussaktion bauten sie den Zaun wieder ab, für den Neustart im nächsten Jahr.

Bleibt kurz Bilanz zu ziehen. So lobt Birgit Bringemeier das große Engagement der Sinninger Kinder mit ihren Eltern, weil sie auch in diesem Jahr so tatkräftig mitgearbeitet haben. Wie die Hilfe fachgerecht funktioniert, wie man die Tiere richtig anfasst, wie man Grasfrösche von Springfröschen oder Bergmolche von Teichmolchen unterscheidet, ist immer wieder spannend und schnell gelernt. „Einige der Kinder haben sich in dieser Zeit zu richtigen Amphibienexperten gemausert, die wissen, warum das Überleben der Arten auch für den Menschen so wichtig geworden ist“, wie die Naturexpertin die Jüngsten lobt.

Seit 2014 sammelt Birgit Bringemeier die Daten, die anschließend beim Nabu bundesweit zusammen gefasst werden, um daraus wissenschaftliche Schlüsse ziehen zu können. So werden auch 2020 die Laichwanderungen wieder auf der NABU-Homepage dokumentiert.

Und ein Wermutstropfen bleibt, denn konnten im Jahr 2015 über 900 Tiere gesammelt werden, fiel die Anzahl der Tiere seither kontinuierlich ab. So konnten in diesem Jahr lediglich 391 Amphibien gezählt werden: meist Erdkröten (386) ansonsten nur noch 2 Grasfrösche und 3 Bergmolche.

Was bleibt ist die Ursachenforschung.

Hinweis:

Von der Landespolitik und den Kommunen fordert der NABU mehr Engagement für den Amphibienschutz. An Straßen, die Hauptwanderwege von Kröten, Molchen und Fröschen durchschneiden, müsse es flächendeckend Krötentunnel oder feste Krötenzäune geben. Auch der fortschreitenden Zerstörung der Lebensräume von Amphibien müsse Einhalt geboten werden. „Die Landesregierung hat eine gesetzliche Verpflichtung, Auen, Feuchtwiesen und Gewässer wirkungsvoller zu schützen“.

Birgit Bringemeier in Aktion

Ihr Fazit zum diesjährigen Ergebnis:

Bei uns nimmt die Zahl der weiblichen Tiere auffallend zu, die der männlichen Tiere kontinuierlich ab. Die Tiere kommen aus einem Waldgebiet mit überwiegend Kiefern und Eichenbestand auf sehr sandigem Boden. Der See ist Privatgelände.

 

25.03.2020 Friedel Hesseling

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