„Biodiversität und Artenschutz“

„Mehr Wildnis wagen für die Zukunft“

Dr. Peter Schwartze, Nabu-Experte berichtete zum Thema und mahnte zum Handeln

Ein Rückblick auf unsere Veranstaltung der Umweltverbände in Emsdetten BUND und NABU vom 22. Januar 2020 in der Stadtbibliothek Emsdetten:

Täglich werden im Kreis Steinfurt 1,5 Hektar Flächen neu versiegelt, dies sind über 500 Hektar pro Jahr, Flächen die für Straßenbau, Siedlungen und Gewerbe überbaut werden und damit unwiederbringlich für die Natur verloren gehen“, erklärte Dr. Peter Schwartze. „Der Verlust an Artenvielfalt hat viele Grüne“, wie der Naturexperte in seinem Fachvortrag zum Thema „Artensterben und Biodiversität“, am Mittwochabend referierte. Die Emsdettener Umweltverbände BUND und NABU hatten dazu in die Stadtbibliothek eingeladen.

Mit seinem aktuellen Faktencheck verbreitete er wenig Euphorie im gut besetzten Auditorium. „Wir sind im letzten Jahr der UN-Dekade, in der insbesondere der Schutz der Insekten als Schwerpunkt im Focus stehen soll. Aber wir können nur dokumentieren dass auch bei uns, vor der eigenen Haustür das Aussterben von vielen Pflanzen- und Tierarten unvermindert weiter fortschreitet“.

Dr. Peter Schwartze ist fachlicher Leiter der Biologischen Station im Kreis Steinfurt. Seit über 20 Jahren betreut er mit den Mitarbeitern die Naturschutzgebiete im Kreis und kartiert dabei regelmäßig den Zustand in der Natur. Und am Ende eines jeden Jahres wird Bilanz gezogen. Die detaillierte Zahlen zur aktuellen Lage der Biodiversität in den Naturschutzgebieten dokumentieren die Brisanz, die ein sofortiges Handeln Aller erforderlich machen sollte.

Ein „weiter so“ mit der Industrialisierung und der Zersiedlung der Landschaft, mit den Prioritäten von Konsum und Verkehr und alles zulasten der Natur, kann so nicht zukunftsfähig sein. „Ein sofortiges politisches Umsteuern in allen Bereichen ist opportun“, so seine Intention. Damit verwies er explizit auf die Versäumnisse der Politik, der Behörden sowie der Agrarindustrie und regte damit eine durchweg sachorientierte Diskussion im Auditorium an. Zur Rettung der Natur als Lebensgrundlage für alle Menschen müsse umgesteuert werden. Statt mit „Grünen Kreuzen“ zu demonstrieren, sollten die Landwirte schnellsten den ökologisch orientierten Umbau ihres Wirtschaftens in Gang gesetzt. Die breite Unterstützung der Bevölkerung wäre ihnen sicher.

Mehr Wildnis wagen und grundsätzlich ohne Gift arbeiten!“ Denn was nützen hohle Optionen, wenn jungen Brutvögel nicht genügend Insekten finden und die Flächen nur grün und ohne blühende Vielfalt sind. Mit seinem Maßnahmenkatalog zur Rettung der Artenvielfalt zeigte Schwartze gangbare Wege auf. „Jeder kann und muss mit anpacken“, denn mit vielen kleinen Maßnahmen vor der eigen Tür sei viel zu erreichen. Zudem müsse gleichzeitig massiver Druck auf die Politik gemacht werden. Der Volksentscheid in Bayern sei hier richtungweisend gewesen.

Naturbelassene Freiräume für Pflanzen und Tiere in der Landschaft oder vor der eigenen Haustür, im Garten oder an der Baumscheibe am Straßenrand schaffen blühende Biotope und können geringem Aufwand erste Zeichen. Dem persönlichen Engagement sind dabei keine Grenzen gesetzt, wenn gleichzeitig das Konsumverhalten den Erfordernissen des nachhaltigen Handelns angepasst werden. „Die Zeit drängt und wir sollten wissen, worum es für die Sicherung der Zukunft geht“, so seine Mahnung, die er auch als persönlichen Weckruf verstanden wissen wollte.

22.01.2020 Friedel Hesseling

DerArtikel ist erschienen in der EV -Emsdettener Volkszeitung vom 25.01.2020

 

 

Info zum Thema:

Die UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011–2020 ist eine Initiative der Vereinten Nationen zur nachdrücklichen Sicherung und dem weltweiten Erhalt der Biologische Vielfalt.

Die Vereinten Nationen haben in einer Erklärung alle Staaten aufgerufen, im Zeitraum der Dekade zusätzliche Aktivitäten für die biologische Vielfalt und damit zur Umsetzung der Nachhaltigkeits-Ziele (CBD) zu leisten. In Deutschland trägt die UN-Dekade Biologische Vielfalt dazu bei, die gemeinsamen weltweiten Ziele der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) zu erreichen.

 

Biodiversitätsstrategie Kreis Steinfurt

Die Untere Naturschutzbehörde stellt die Biodiversitätsstrategie des Kreises Steinfurt vor:

Im Rahmen dieser Strategie versucht der Kreis Steinfurt gemeinsam mit dem Naturschutz und der Landwirtschaft, den fortschreitenden Verlust von Tier- und Pflanzenarten im Kreis Steinfurt zu stoppen. Die Möglichkeiten des Vertragsnaturschutzes bietet Landwirten, dass sie für freiwillige Bewirtschaftungseinschränkungen ihrer landwirtschaftlichen Nutzflächen Entschädigungszahlungen erhalten können.

 

 

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