Ein kritischer Spaziergang durch das Emsdettener Venn |
von Heinz Rinsche
Treffpunkt Wanderpilz an der Neuenkirchener Straße. Diese Straße überqueren (lebensgefährlich) und der Hindenburgweg liegt vor einem, eine hübsche Birkenallee. Gott sei Dank noch ohne Asphalt, dafür aber voller Schlaglöcher. Gut so!
Nach 100 m ein Schild: Naturschutzgebiet. Dabei stehen wir vor einem großen Maisacker, sozusagen ein naturgeschützter Maisacker.
Der Umringweg, auf dem wir jetzt stehen, begrenzte vor gut 150 Jahren das damalige Hochmoor. Heute dagegen müssen wir noch 1 km wandern, um die Reste des Moores zu entdecken. Endlich, links des Weges zeigt sich ein Birkenwald, einige Bäume liegen am Boden. Ziemlich nass hier. Der erste Weg, der jetzt ins Venn führen könnte, ist gesperrt. Also weiter bis zum Lehrpfad. Tatsächlich, hier ist richtiger Torf zu sehen, man steht auf "schwankendem" Boden.
Doch dann die Enttäuschung, nicht mal 200 m lang ist dieses "Moorerlebnis"
Ein Aussichtsturm entschädigt vielleicht? Weite Blicke bis zum Buchenberg. Aber - statt des Moores erblickt man vor allem Birken-Faulbaum- und Weidengebüsch. Dazwischen einige Wasserflächen. Stockenten, Gänse und Blässrallen - Allerweltsvögel.
Hier ist was falsch gelaufen! Nachdem man schon vor vielen Jahren die dicken Birken (begehrtes Kaminholz) geschlagen hatte, hat man die Flächen zu sehr sich selbst überlassen. Folge: Mehr Birken- und Faulbaumgebüsch als vorher bedeckt jetzt den Boden. Auch das Wasser wurde nicht konsequent genug angestaut. Ohne Wasser kein Moor! Das ist zwar bekannt, wird auch angestrebt, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Der viel zu häufige Wechsel von Nässe und Trockenheit zerstört ein Moor. Torf zersetzt sich und zusammen mit dem intensiven herbstlichen Laubeintrag wird das Moor zu einer Art Komposthaufen. Statt Wollgras und Torfmoosen dominieren jetzt Pfeifengras und Brombeeren. Besonders intensiv hat sich der Faulbaum breit gemacht. Größere Flächen sind inzwischen geradezu "verseucht" davon. Fest verwurzelt und fast undurchdringlich im Torf verankert.
Das ist dann bald kein Moor mehr, sondern ein Bruchwald, in dessen Schatten die ehemalige Hochmoorflora schon aus diesem Grunde keine Chance mehr hat. Hinzu kommt der völlig unkontrollierbare Stickstoffeintrag aus der Luft. Schwierige Zeiten für unsere Moore!
Einige Optimisten des NABU glauben trotzdem, dass noch was zu retten ist. Zweimal im Winter wird zum "Entkusseln" aufgerufen. Gewiss wertvolle Beiträge, und doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine Sisyphus-Arbeit, denn wenn die entbirkten Flächen nicht regelmäßig kontrolliert werden und das Regenwasser nicht viel mehr mit System angestaut wird, bringt das auf Dauer nichts.
Folgt man nun dem offiziell ausgewiesenen "Natur- und Erlebnispfad" weiter, so kommt man schnell in Randbereiche, wo von einem Moor nichts mehr zu erkennen ist. Enttäuschend - und so ziehen viele es vor, den gleichen Weg zurück zu gehen.
"O schaurig ist's übers Moor zu gehen", so dichtete einst Annette von Droste Hülshoff. Die Zeiten haben sich gründlich geändert. Nichts ist hier mehr "schaurig", das Ganze ist eher langweilig. Auf jeden Fall enttäuschend.
Von unseren holländischen Nachbarn könnten wir hier eine ganze Menge lernen. Beneidenswert, wie gelungen sie beides miteinander verbinden: Naturschutz auf der einen Seite und eine Besucherlenkung auf der andern Seite, bei der man die so besondere Atmosphäre einer Moorlandschaft auch wirklich "erleben" kann.
im Sommer 2004
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