Das Venn feiert seinen 40jährigen Geburtstag
Bericht der Emsdettener Volkszeitung vom 28. April 1981
Schutzgürtel zu den Äckern dringend notwendig
Kreis Steinfurt (stil). Im Rahmen der Artikelserie des Kreises Steinfurt über Natur- und Umweltfragen kommt heute Heinz Rinsche aus Emsdetten zu Wort. Er hat als engagierter Umweltschützer ein aktuelles Thema aufgegriffen:
"Das Emsdettener Venn hat Geburtstag". Vor genau 40 Jahren wurde im "Amtsblatt der Regierung zu Münster" das Venn als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Natürlich ist das Hochmoor wesentlich älter. Experten schätzen, daß es vor etwa 6.000 Jahren als die Gletscher der letzten Eiszeit sich zurückgezogen hatten, entstanden ist. Was sind schon 40 Jahre im Vergleich zu diesen 6.000? Und doch, hätten nicht damals im Jahre 1941 umsichtige Naturschützer das Gebiet unter Schutz gestellt - vom Moor wäre mit Sicherheit so gut wie nichts übrig geblieben. Der Kreis wäre heute um eine "Attraktion" ärmer.
Daß nämlich solche Pläne bestanden, das gesamte Venn zu "kultivieren", kann auch heute der aufmerksame Spaziergänger erkennen. Denn gerade das, Spazierengehen, gehen kann man im Emsdettener Venn besonders gut, weil hier ein vielfältiges Wegenetz vorhanden ist. Daneben jeweils tiefe Gräben: alte Mitbürger erinnern sich noch: Das gesamte Venn sollte entwässert und schließlich landwirtschaftlich genutzt werden.
Für ein Moor aber ist Wasser ein Lebenselexier. Und so hatte die Unterschutzstellung vor 40 Jahren nur dann einen Sinn, wenn man gleichzeitig die Entwässerungsgräben wieder geschlossen hätte. Das aber geschah nicht. Das Moor "blutete" weiter aus. Jetzt aber konnten die Birken, die bisher auf dem nassen Untergrund dahinsiechten, sich plötzlich im Übermaß voll entfalten. Aus dem Hochmoor entstand innerhalb weniger Jähre ein stattlicher Birkenwald.
Die an das Hochmoor angepaßten seltenen Pflanzen (z. B. Sonnentau) kümmerten im Schatten der üppigen Birkenbestände dahin. Die an die offene Landschaft angepaßten Vögel des Moores, z. B. Birkwild, verloren ihren Lebensraum.
Man erkannte bald, daß man einen Fehler gemacht hatte. Wollte man vom Hochmoor auch nur bescheidene Reste erhalten, so mußte man die Gräben schließen und die hier untypischen Birken wieder zurückdrängen. Nichts einfacher als das, könnte man denken. Doch weit gefehlt Probleme tauchten auf. '
Denn aus den feuchten Wiesen rund um das Naturschutzgebiet sind inzwischen wohlbestellte Maisäcker geworden. Die Methoden der Landwirtschaft haben sich in den vergangenen Jahren überaus rasch verändert. Und dort, wo jetzt noch das melodische Flöten des Großen Brachvogels den Naturfreund entzückt, werden sich künftig große Ackerbauflächen erstrecken.
Das nährstoffarme, saure Wasser des Moores auf der einen Seite - der dräinierte, gut gedüngte Acker auf der anderen Seite: das sind zwei verschiedene Welten, die hier direkt aufeinanderprallen. Dabei weiß man seit langem, daß die so kostbare und bedrohte Pflanzen- und Tierwelt eines Hochmoores nur dann auf die Dauer erhalten bleiben kann, wenn man beide Bereiche sorgfältig voneinander trennt, d. h. um diesen labilen Lebensraum Hochmoor müßte ein Schutzgürtel, eine Pufferzone, angelegt werden.
Bleibt zu hoffen, daß die zuständigen Behörden hier bald eine Lösung finden. Was in Jahrtausenden gewachsen ist, wurde zum prägenden Bestandteil unserer Landschaft. Können wir es unseren Kindern gegenüber eigentlich verantworten, das alles leichtfertig aufs Spiel zu setzen?"
Emsdetten im April 1981
Autor: Heinz Rinsche
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