Bericht der Emsdettener Volkszeitung vom 02. Juni 2006
EMSDETTEN . Die gute Nachricht: Die Wasserqualität des Mühlenbachs hat sich nicht verschlechtert.
Schlecht: Sie ist auch nicht besser geworden. Das fanden junge Naturforscher heraus, die einen Teilabschnitt an der neuen Brücke genau unter die Lupe nahmen. Lumbricus half dabei.
Lumbricus ist der Umweltbus der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW. Praktische Naturerfahrung macht er möglich. Dank Mikroskopen und technischen Hilfsmittel werden Kinder zu Wissenschaftlern. Wenn Wasser erforscht werden will, dann gibt es im "Bauch" des Busses auch Gummistiefel und feste Notizmappen.
Junge Forscher
Wo der Umweltbus steht, da ist die Fachfrau von BUND und NABU, Christiane de Jong, nicht weit. Sie reist Mittwochnachmittag mit ihren jüngsten und zuverlässigsten Aktiven an. Die sind zwischen elf und 14 Jahre alt und keineswegs Bange vor allem, was in so einem Bach kreucht und fleucht. Dietmar Schruck hat die 15 Kinder in Chemie-, Ver- messungs- und Forschertrupps eingeteilt. Er selbst weiß anhand einer aktuellen
Gewässerkarte, dass der Mühlenbach immer noch als mäßig belastet eingestuft wird, Trotz Renaturierungsmaßnahmen? "Eigentlich erholt sich so ein Gewässer schnell, entscheidend für die Qualität ist aber auch die landwirtschaftliche Nutzung im Randbereich", sagt Schruck. Daran habe sich nichts geändert.
Viele Blutegel
So fischen Kinder aus dem Bach viele Blutegel heraus -, kein so gutes Zeichen, .Aber auch andere Flusstiere - Käfer, Krebs- und Spinnentiere, Würmer, Muscheln und Schnecken - landen im Käscher. "Die Vielzahl an Arten und Menge an Tieren sind ein Indikator für die Wasserqualität. "Wir müssen zählen und auswerten", erklärt Christiane de Jong, während eine Gruppe die Wasserstandshöhe feststellt.
Zwei Meter weiter wird dem Wasser chemikalisch auf das H20 gerückt. Sauerstoffgehalt, ph-Wert, Härte, Mineralien (Leitfähigkeit) und Salze werden ermittelt. Am Ende wird sich ein Gesamtbild ergeben, woraus eine Skizze entsteht. Alles wird in einem Videofilm festgehalten, den die Kids nach Kuchenpause und Laborarbeiten bestaunen. * ras
Links wird gefischt, in der Mitte ausgemessen, hinten chemikalisch untersucht. Das ganze unter erschwerten Bedingungen. Rutschig ist der Anhang, tief teilweise das Wasser. Für richtige Naturforscher ist das kein Problem.
Auf Steinen und Holzstücken finden sich unzählige Tierchen, die sich dank einer verminderten Fließgeschwindigkeit jetzt besser festsetzen können.
Lumbricus , der Umweltbus, ist ein zum rollenden Unterrichtsraum und Labor umgebauter LKW, der seit 1992 in NRW interessierten Gruppen kostenlos die Möglichkeit bietet, vor Ort - in bekannter Umgebung -Unbekanntes zu entdecken. Davon Gebrauch machen vorwiegend Schulen, die oft nicht über das Ausrüstungsmaterial verfügen, was für derartige Untersuchungen benötigt wird. Aber auch Naturschutzgruppen, 1 Angler und Kanufahrer nutzen den Bus für Weiterbildungsmaßnahmen. Zwei Wagen wurden angeschafft, die beide mit 26 Arbeitsplätzen, Binokularen, chemischen und physikalischen Untersuchungsgeräten, PC, Digitalkamera. Videoanlage ausgestattet sind. Unterrichtsmaterial sowie eine kleine Fachbibliothek stehen den Kindern zur Verfügung. Infos bei Dietmar Schruck, Tel. (02361) 305-342.