Damm soll das Moor retten
Bericht EV 5. November 2005
Untere Landschaftsbehörde gibt Freitag grünes Licht für Lehrpfad-Erweiterung im Venn
EMSDETTEN . "Lernen fördern" (tib) und Naturschützer ziehen an einem Strang. Wenn es darum geht, den Lehrpfad im Venn zu erweitern, ist Handarbeit gefragt. Das Moor dankt es schon jetzt. Das Torfmoos ist auf dem Vormarsch,
Vorbereitende und pflegende Maßnahmen werden in dieser Woche an dem Pfad vorgenommen, der später den Lehrpfad maßgeblich erweitern soll. Nicht nur das: Der Pfad wird viel interessanter, weil er nahe an die Moorlandschaft heranführt, weil ein echter Torfstich angelegt werden soll. "Überhaupt werden wir die Erlebnisbereiche attraktivieren", schwebt dem aktiven Naturschützer Heinz Rinsche vor, der täglich zusammen mit seinem Kollegen Ludwig Klasing im Einsatz ist. Beide bearbeiten die große Fläche, die von Birken und Faulbäumen befreit werden muss.
Am frühen Donnerstagmorgen ertönt direkt nebenan das laute Knarren der Motorsäge. Mit geschickten Handgriffen zerlegt hier Klaus Weischer einen Baum, der dem Pfad im Weg steht. Daneben haben arbeitslose junge Helfer einen riesigen Turm aus Ästen und Zweigen, aus Grün und Gelb, das weg muss, angehäuft. Die zehn Jungen und zwei junge Frauen unterstützen die Naturschützer bei der anstrengenden Arbeit.
Offiziell grünes Licht
Sie bereiten vor, was am Ende eine attraktiver Lehrpfad sein soll. Donnerstag liegt ein O.K. für die Maßnahme weder vom Staatlichen Umweltamt noch von der Unteren Landschaftsbehörde vor. Gestern meldet sich deren Chef, Hermann Holtmann, bei Heinz Rinsche, um grünes Licht zu geben für den Lehrpfad und vor allem für den darin integrierten Staudamm.
Sponsor für Bagger
Der ist nicht anderes als eine Aufschüttung, die Wasser auf der großen Moorfläche daneben garantieren soll. "Der Bagger muss noch finanziert werden. Uns fehlt ein Sponsor", sagt Ludwig Klasing, der begeistert ist von der Arbeit, vom Geschafften, "von dem, was zwei Rentner allein bearbeiten können."
Allein sind sie in dieser Woche im Venn nicht. Es geht zügiger voran, weil auch die jugendlichen Unterstützer viel Begeisterung zeigen. Sie müssen sich den Weg bahnen durch ein scheinbar unwegsames Gelände. Überall stehen angehende Bäume. Dazwischen eine modrigen Lichtung. "Da unten", zeigt Heinz Rinsche auf einen grünen, natürlichen Kurzhaarteppich, "da kommt das Torfmoos verstärkt wieder. Ein gutes Zeichen. Das wächst nur in einem gesunden Moor".
Einsatz seit 8 Uhr
Dafür haben die jungen Leute jetzt keine Augen. Während Klaus Weischer unentwegt die Motorsäge quält, haben sie mit dem Einsammeln von Zweigen seit 8 Uhr mehr als genug zu tun.
"Beschäftigungsmaßnahme mit Qualifizierung und Vermittlung", ist das, was sie tun, im Fachjargon betitelt. Das einzigartige Projekt wird von STARK, der Arbeitsförderung des Kreises Steinfurt gefördert. Der praktische Leiter, Klaus Weischer, wurde von "Lernen fördern" von der Stadt ausgeliehen", sein Lohn für den Projektzeitraum übernommen. Dem Praxisleiter steht eine Diplom-Sozialpädagogin für die Theorie zur Seite. Das ist Uschi Beyer. Sie ist für die Qualifizierung und Vermittlung der jungen Menschen in Arbeit zuständig. Die derzeitigen Vermittlungserfolge sprechen für das einzigartige Kooperationsprojekt.
Tolles Gefühl
Die Kombination scheint hoffnungsvoll zu sein. Im Venn sehen die jungen Leute, dass sie was schaffen, viel erreichen können. "Bestimmt ein tolles Gefühl, auch später einmal sagen zu können, bei dem Lehrpfad habe ich geholfen", setzt Ludwig Klasing auf eine Initialzündung.
Die Gruppe soll am Ende den kompletten Damm befestigen - wenn der Bagger hilft. Bis dahin gibt es reichlich zu tun, da seit Freitag offiziell die Lehrpfaderweiterung feststeht. "Gut, denn wir wollen das Projekt noch in diesem Jahr nachhaltig angehen", freut sich Rinsche, der den Damm nicht nur mit Blick auf den Lehrpfad herbei sehnt: "Das Wasser muss aufgestaut werden, damit die Fläche nass wird. Dann sterben Faulbäume und Birken automatisch, ohne dass wir ständig nacharbeiten müssen". Praktisch, was die Natur nicht selbstständig leisten kann, wenn man sie funktionieren lässt. . Ralf Schacke
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