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| Ligusterschwärmer (Foto Ludwig Klasing) |
Hoffnung für über
100000 Nachtfalter
Wettringen.
Hätten Sie es gewusst?
Was verbindet Mondvogel, Trinkerin, Pudel, Hausmutter und Eindringling miteinander?
Es sind Nachtfalter. Wer kennt denn noch heute die Nachtpfauenaugen, den Weinschwärmer, die Hausmutter oder den Braunen Bär? Viele sind der Spritze zum Opfer gefallen, dem Reinlichkeitswahn in den Gärten oder der intensiven Landwirtschaft. Oder es sind Leuchten, die himmelwärts die Nacht zum Tage machen und viele Nachtfalter bis zur Erschöpfung irritieren, um dann ihr Leben an den heißen Lampenköpfen auszuhauchen. Viele Raupenfutterpflanzen sind überteert, übertüncht oder einfach weggespritzt worden.
Doch noch ist Hoffnung in Sicht: Gärtner lassen ihre Giftspritzen auf dem Dachboden verstauben, auf den nicht gespritzten Ackerrandstreifen sind wieder Mohn, Kornblume und Wegwarten zu finden und die Kommunen verlegen, ihre Mähtermine der Bankette in den Spätsommer - nach der Blüte von Königskerze, Natternkopf und Beinwell.
Schwärmer, Spanner, Spinner, Zünsler, Widderchen - über 100000 Nachtfalter gibt es, dazu die Maulbeerspinner, die schon vor 4000 Jahren als Haustiere gehalten wurden, weil ihre Raupen die kostbare Seide produzieren.
Der Pappelschwärmer ist ein recht großer Falter mit graubraunen geäderten Flügeln (Spannweite 60 bis 90 Millimeter) und langen, weißen, gezähnten Fühlern. Die Raupen leben an Pappeln und Weiden. Diese Art gehört zu den vielen Arten, die keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Ihre Mundwerkzeuge sind weitgehend verkümmert. Ihr kurzes Leben wird durch die Speicherstoffe gewährleistet, die die Raupe eingelagert hat. Die Raupen, lebende Fraßschläuche, sind ebenso wie die Falter große Tiere von auffallendem und ungewöhnlichem Aussehen.
Manche Arten nehmen oft eine eigentümliche Drohstellung ein, zeigen an den Körperseiten große Augenflecken und tragen am Körperende ein nach hinten gebogenes Horn. Vor der Verpuppung erzeugen sie ein dichtes Gespinst, den Kokon. Während des Puppenstadiums führen - durch Hormone gesteuert - gewaltige Umbauten zum fertigen Falter.
Im heißen Sommer 2003 fand sogar das Taubenschwänzchen seinen Weg über die Alpen; ein Wanderfalter, der bei uns mittlerweile jedes Jahr einwandert. Es steht mit rasend schnellem Flügelschlag wie ein Kolibri vor den Geranienblüten und kann sogar rückwärts fliegen. Gegen Mitte Juni schlüpft die erste neue Faltergeneration - wenn der Winter nicht zu hart war, denn Frost können sie nicht vertragen.
Sehr oft ist auch der Mondvogel, am Hinterleib mit einem gelben Fleck und silberfarbenen Flügeln, in den Gärten zu finden. Er ähnelt im Ruhezustand einem vertrockneten dürren Zweig. Die auffälligen Raupen sind oft auf Hasel, Weiden, Birken und anderen Laubgehölzen zu finden.
Ein großer Nachtfalter ist der Ligusterschwärmer, ein Schwärmer mit interessanter Zeichnung, dessen Unterflügel sich durch ein leuchtendes Rot und zwei schwarze Bänder auszeichnen.
Ihre Fluggebiete sind lichte Laubwälder, offene Landschaften mit Feldgehölzen, große Gärten und Parkanlagen. Besonders in warmen Juninächten ist er in der Dämmerung an Blüten kolibrigleich mit seinem langen Saugrüssel zu entdecken , den er tief in die Blütenkelche steckt.
Die Nachtfalter, wozu auch einige tagaktive Arten zählen, finden sich mittels so genannter Pheromone (Sexuallockstoffe), die die Weibchen aus speziellen Drüsen in kleinsten Mengen verströmen und die Männchen herbeilocken. Mit ihren fiedrigen Antennen machen sie den Duft der Weibchen aus. Künstliche Pheromone werden heute auch in den Wäldern verwandt, um „schädliche Insekten“, etwa den Borkenkäfer, zu dezimieren.
Ein Bärenspinner hat sogar eine besondere Form des Überlebens entwickelt. Über ein Hörorgan am Hinterleib „hört“ er die Ultraschallrufe der in der Dämmerung jagenden Fledermäuse. Sobald er die ersten Rufe hört , lässt er sich fallen - stellt sich tot und ward nicht mehr gesehen.
www.nabu.de
VON BERNHARD HÖLSCHER
03 ·August · 2010
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