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Der große Schillerfalter

Mit Ludwig Klasing im Venn

Raritäten vor der Linse

 

Unglaubliche Artenvielfalt macht den Charme des Emsdettener Venns aus

 

 

 

 

Es ist die Artenvielfalt, die den Charme eines Naturschutzgebietes

ausmacht. Das Emsdettener Venn kann damit glänzen, wenn hier Spinnentiere, Insekten, Vögel auftauchen, die auf der Roten Liste stehen, weil sie vom Aussterben bedroht oder eigentlich nur im Süden anzutreffen sind. Wie der kunterbunte Bienenfresser.

 

eine Reportage von Ralf Schacke

 

mit Fotos von Ludwig Klasing

 

 

Es ist früh am Morgen, als Ludwig Klasing durch die schmalen Pfade zwischen Moor, Tümpel und Heide zieht. Ist er im Herbst mit Spaten und Messer bewaffnet, um Birken und Faulbäumen den Lebensnerv zu kappen, ist das lebende Venn im Sommer Ziel seiner Exkursionen mit der Fotokamera.

Klasing ist mal Naturschützer, dann wieder Naturbeobachter, um klarzumachen, wie schützenswert dieser Naturraum ist. Schimmernde Libellen kommen ihm vor die Linse. „Plötzlich sehe ich einen Schmetterling, den ich nie vorher gesehen habe“, erzählt Klasing und seine Augen scheinen vor Begeisterung zu funkeln:

„Es ist ein großer Schillerfalter“, weiß der Senior, der wegen seines Hobbys nie Zeit zu haben scheint. Der Fund wird von allen Seiten fotografiert, dokumentiert — später auf der Festplatte seines Computers abgespeichert. Neben tausenden von Aufnahmen von den tierischen Gästen im Venn.

Klasing zieht weiter. Mücken schwirren umher. Zecken drohen den Lebensraum

des Beobachters zu erobern, während der nur Augen hat

für alles, was kreucht und fleucht.

Foto: Wenn eine kleine Moosjungfer ihren großen Freund frifft...

 

Sechs auf einen Streich

„Bei meinen Beobachtungen im Venn am Lehrpfad entdecke ich immer wieder etwas Neues“, betont der Naturschützer, den eine Entdeckung in diesem Jahr besonders beeindruckt hat: „Es war im Mai, ich sah sechs Vögel auf einem Baum und dachte zuerst an Schwalben. Als ich dann vorsichtig weiter ging, traute ich meinen Augen nicht. Kaum zu glauben, sechs Bienenfresser im Venn am Lehrpfad.

 

Drei Männchen suchten Insekten und umwarben drei Weibchen. Ein toller Anblick, diese bunten Vögel.

Eigentlich kommen die Bienenfresser im südlichen Europa vor. Sie brüten in Kolonien an Steilwände und an Uferböschungen in selbst gebauten Röhren. Es besteht die Möglichkeit, dass sie im Umkreis vom Venn, etwa an der Ems oder an

Steilwänden von Sandaushebungen, gebrütet haben.

Wer hat Beobachtungen gemacht?“ fragt Klasing und hofft auf die Unterstützung der EV-Leser.., Das wäre ein Ding, wenn ich doch noch herausbekommen würde, wo die Vögel ihr Brutgeschäft erledigt haben. Vielleicht kommen die Bienenfresser im nächsten Jahr wieder.“

 

Klasing senkt den Kopf, beobachtet. wie eine Gelbe Mordfliege gerade ein Opfer gepackt hat:,, Die fressen kleine Insekten. Ihr Name klingt zwar bedrohlich, für den Menschen ist die Gelbe Mordfliege aber vollkommen ungefährlich.“

Foto: kein Entkommen in den Fängen der gelben Mordfliege

 

Was die heimische Tier und Pflanzenwelt angeht, ist Klasing nach den vielen Jahren

Venn ein wandelndes Bestimmungsbuch. So will er nicht einfach Raritäten knipsen, sondern hat es auf spektakuläre Funde und Situationen abgesehen — zwei Libellen im Liebesrausch hat er auf einem Bild festgehalten. Vögel wie die Schafstelze oder das Schwarzkehlchen

 

Nach den Spinnen

„Wenn ich ganz seltene Exemplare wie die Bienenfresser sehe, dann melde ich das natürlich der Biologischen Station, die so etwas im Blick haben muss“, erzählt er, der sich in diesem Jahr auf die Vögel konzentriert hat. „Sonst habe ich vor allem Spinnen fotografiert. Da waren ganz viele Seltenheiten darunter. Noch heute bin ich total begeistert, wenn ganz früh im Morgentau die Netze der Spinne schön glänzen“.

Ludwig Klasing sitzt vor seinem Computer, wo er die Bilder von seinen Vennbesuchen gespeichert hat „Am Montag geht‘s wieder los“, sagt er.

Mit der Kamera? Klasing schüttelt mit dem Kopf:

„Nein, die Sasion beginnt wieder. Arbeit ist angesagt. Die Birken müssen raus, um das intakte Moor zu erhalten.

“ Und nur das ermöglicht im Sommer wieder ein FotoShooting der tierisch-tollen Art. •

 

RaIf.Schacke@

 

 

     

Spenden fürs Venn

Emsdetten - Der Lehr- und Erlebnispfad Emsdettener Venn entstand auf Initiative der Umwelt- und Naturschutzverbände BUND und Nabu aus Emsdetten. Finanzielle Grundlage für dieses Projekt war neben der Unterstützung durch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Spende des Sportvereins Emsdetten 05, die durch das Ausrichten eines Fußball-Jugendturniers ermöglicht wurde.

Zur Realisierung des Lehr- und Erlebnispfades wurde ein Arbeitskreis, bestehend aus Vertretern folgender Vereine, Verbände und Institutionen, gegründet: Heimat

bund Emsdetten, Verkehrs‘s verein und Stadt Emsdetten,

Untere Landschaftsbehörde des Kreises Steinfurt, Biologische Station im Kreis Steinfurt sowie die Umwelt- und Naturschutzverbände aus Emsdetten.

Der Lehr- und Erlebnispfad Emsdettener Venn ist als ein

genannter NummernLehrpfad mit Begleitbroschüre angelegt. Die einzelnen Stationen sind auf dem Rundwanderweg gut sichtbar durch Nummern gekennzeichnet.

 

Foto: ein Baumpieper

     

 

Das Moor eroberte Räume

Torfmoos und Co.

 

Das „Emsdettener Venn“ zählt zu den landesweit bedeutsamen ehemaligen Hochmoorgebieten im Naturraum Westmünsterland.

Teile des Venns wurden durch Unterschutzstellung und durch Renaturierungsmaßnahmen gerettet und sind jetzt ein Rückzugsgebiet seltene Tier- und Pflanzenarter.

Das Venn liegt unmittelbar der Neuenkirchener Straße, etwa fünf Kilometer vom Stadtkern Emsdettens entfernt.

Man erreicht das Venn am besten vom Parkplatz an der Neuenkirchener Straße über den Hindenburgweg, der eine gewachsene Birkenallee ist.

An vielen Stellen sieht das Venn tatsächlich so aus, als wenn die Torfmoose wieder

Regie übernehmen. Sie wölben sich in die Höhe und ersticken alles unter sich. So

dürfte auf Dauer auch die störende Besenheide und das unerwünschte Pfeifengras zurückgedrängt werden. Auch die Moosbeere breitet – wieder aus. Diese so seltene und wertvolle Art mit ihren grazilen kleinen Blättchen und ihren auffallend großen, roten Beeren konnten Besucher vor drei Jahren nur an wenigen Stellen im Venn beobachten. Jetzt aber

sie in diesem Bereich am Lehrpfad fast flächendeckend vorhanden.

 

Foto Bluthänfling im Venn

 

Emsdetten, 26. September 2009

Ralf Schacke

mit freundlicher Unterstützung der Emsdettener Volkszeitung  
     
 
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