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Münstersche Zeitung / Emsdettener Volkszeitung
29. August 2009

Die Vielfalt erhalten

 

Dr. Peter Schwartzer von der Biologischen Station begutachtet die Flora an den Emsauen

 

EMSDETTEN -

Dr. Peter Schwartze hebt in den Emsauen eine leere Cola-Flasche auf. Er nimmt es mit Galgenhumor: „Das Pfand kassiere ich gerne ein.“

Uber den weg geworfenen alten Autoreifen samt Feige schüttelt er nur den Kopf.

Man merkt, innerlich ärgert er sich schon über das mangelnede Umweltbewußtsein so

manches Mitbürgers.

 

Der Naturwissenschaftler von der Biologischen Station Kreis Steinturt ist für den Erhalt und die Entwicklung von Flora und Fauna in Naturschutzgebieten zuständig — so auch in weiten Teilen der Emsaue.

Parallel zur Ems — dem einzigen Strom Deutschlands, der komplett durch Sand fließt — finden sich rund 30 verschiedene gefährdete Pflanzenarten.

„Wir haben hier nassen, weniger nassen und immer trockenen Boden“, erklärt Dr. Peter Schwartze.

 

Schnell findet er auch Pflanzen, die auf der so genannten Roten Liste stehen:

den Langblättrigen Ehrenpreis und die Gelbe Wiesenraute. Sie gehören damit wie rund 5500 weitere Pflanzen zur gefährdeten Flora in Deutschland — 40 davon finden sich in den Emsaue zwischen Greven und Emsdetten. Aber auch die Kuckuckslichtnelke, das Wassergreiskraut, Mädesüß oder WaId-Engelswurz sind im Röhricht zu finden.

 

Indisches Springkraut

Und in der Ferne erblickt Schwartze mit seinem geschulten Auge das Indische

Springkraut „Das ist ein Neubürger“, berichtet er über die Pflanze, die mit dem Fleißigen Lieschen verwandt und eine attraktive Bienen- und Hummeipflanze ist.

 

Tierisch geht es hier aber auch zur Sache: Viele Kleinvögel und Amphibien bevorzugen den Standort nahe am Wasser.

 

„Die Artenvielfalt geht nach wie vor zurück‘, sagt Schwartze. Wegen des Kostendrucks und fehlender Zeit ist eine detaillierte Kartierung in den Naturschutzgebieten des Kreises nur etwa alle 15 Jahre möglich. Die Biologische Station ist wie viele andere Vereine auch auf die zusätzliche Finanzierung durch Drittmittel angewiesen — das bindet reichlich Arbeitszeit.

 

Am Emsaltarm an der Hassel begutachtet und fotografiert Schwartze zwei angepflanzte Schwarzpappein, der Baum des Jahres 2006. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die heimische Pappel zunehmend von der ebenfalls dort angepflanzten Hybridpappel verdrängt.

Im Jahr 2000 konnten im Kreis Steinfurt nur noch 21 Exemplare der Schwarzpappel

nachgewiesen werden. „Daher soll die Hybridpappel sukzessive rausgeschmissen werden“, erklärt Schwartze die Arbeit der Biologischen Station an dieser Stelle. Wenn der Baum erst einmal Fuß gefasst hat, wächst er bis zu zwei Meter pro Jahr.

 

An den Emsaltarmen selbst ist an vielen Stellen das Ufer durch Enten abgefressen worden. Im Wasser haben sich unzählige Teichrosen angesiedelt. Einige schwimmen nur noch auf dem Wasser.,, Die sind von Bisam angefressen worden“, klärt Schwartze auf.

 

Nährstoffarm

„Extensive Nutzung und Pflege bedeuten Artenvielfalt“

sagt der studierte Biologe. Wichtig ist vor allem, dass der Boden nährstoffarm ist, denn dann können sich viele Pflanzen etablieren. Daher ist ihm daran gelegen, dass an der Ems neben der Renaturierung auch extensive Landwirtschaft betrieben wird.

 

Hochstauden

Schließlich sorgt diese auch dafür, dass eben jene Nährstoffarmut erhalten bleibt. Bleibt die Bewirtschaftung aus, so entwickelt sich schnell ein nährstoffreiches Milieu, in dem zunehmend die vielfältige Pflanzenwelt durch vermehrt wachsende Hochstauden verdrängt wird.

•  Christian Gerards

 

MZ vom 29.08.2009

 

Die Biostation

Die Biologische Station Kreis Steinfurt mit Sitz in Tecklenburg übernimmt zahlreiche Naturschutzaufgaben für den Kreis. Sie ist ein Kooperationszentrum, das zu gleichen Teilen von den Naturschutzverbänden und der Landwirtschaft getragen wird. Ihre Kernaufgabe ist die Betreuung von Naturschutzgebieten, die

Kreis 10000 Hektar Landfläche ausmachen. Zu den weiteren Aufgaben gehört der Schutz bedrohter Vogelarten, die Kartierung der Vegetation der Schutzgebiete sowie die Beobachtung der Entwicklung in der Tier- und Pflanzenwelt.

» www.biologische-stationsteinfurt.de

 
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