| Münstersche Zeitung / Emsdettener Volkszeitung |
| 29. August 2009 |
Ein Strom, in der Eiszeit entstanden
Die Ems verliert ihr steiniges Ufer
Emsdetten •
Sie fließt und fließt seit mindestens 10000 Jahren: die Ems, Emsdettens Fluss. Die Ems ist ein Urstrom aus der Eiszeit, der die aus Norden vorrückenden Eisberge entwässerte. Dadurch wurden die umliegenden Steine zu Sand zerrieben. Der Fluss ist der einzige Strom Deutschlands, der nur durch sandigen Boden fließt. Als Strom wird er bezeichnet, weil er anders als z. B. die Aa direkt ins Meer mündet.
Bis in die 1960er Jahre wurde die Ems mit Hilfe von Steinen begradigt. Dadurch wurde sie immer mehr von ihrer Aue abgeschnitten. „Die Ems grub sich nachfolgend immer mehr nach unten und transportierte das sandige Sediment ab“, erklärt Dr. Peter Schwartze von der Biologischen Station Kreis Steinfurt die Folgen dieser Maßnahme.
Dynamischer Fluss
Daher wird seit mehreren Jahren versucht, die dynamische Ems wieder zu beleben. Das geschieht mit der Herausnahme der Steine, wodurch die Ems am Prallhang den Sand wie früher abtragen kann und dieser wieder
seichter zum Fluss hin abfällt. So kann die Ems wieder leichter über ihre Ufer treten und die Aue überschwemmen „Hierdurch betreiben wir aktiven Schutz gegen Überflutungen außerhalb der Aue“, beschreibt Dr. Peter Schwartze das Konzept.
Terrassenkante
Die Grenze der Emsaue ist übrigens die so genannte Terrassenkante, die deutlich entfernt vom Flusslauf verläuft und nicht mit dem Deich verwechselt werden sollte. Bis zu ihrem Fuß konnte früher bei Hochwasser die Ems über ihr Ufer treten.
An einigen Stellen ist diese noch gut zu erkennen — vor allem, wenn die Bebauung nicht bis unmittelbar zur Emsaue vorgedrungen ist. Besonders ausgeprägt ist sie übrigens am Naturschutzgebiet Wentruper Berge, das sich als bewaldete Binnendünen zwischen Greven und Emsdetten, nördlich der alten Grevener Kläranlage, befindet.
Zum Konzept der Renaturierung der Emsaue gehören auch geeignete Altarme, die wieder mit dem Fluss zu verbinden sind. •
Christian Gerards
mit freundlicher Genehmigung der Emsdettener Volkszeitung
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