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Steinfurter Appell


“Landschaft schützen

- Bäuerliche Landwirtschaft erhalten

- Mastindustrie eindämmen!“

 


Mit dem Boom der Hähnchenmast schreitet die Industrialisierung der Landwirtschaft weiter voran.

Während vielseitige bäuerliche Betriebe seit Jahren durch einen radikalen Preiswettbewerb verdrängt und zur Aufgabe gezwungen werden, dringt die agroindustrielle Tierhaltung in immer weiter Regionen vor. Allein im Kreis Steinfurt wurden im Jahr 2008 mindestens 13 Anträge für große Hähnchenmastställe mit insgesamt 800.000 Mastplätzen gestellt, im Emsiand geht die Zahl der neu beantragten Plätze in die Millionen.

Gleichzeitig erhöht sich der Gülleanfall nochmals massiv - allein im Kreis Borken fielen 2008 so zusätzlich 170.000 m2 zu entsorgende Gülle an.

 

Dieser Boom hinterlässt mittlerweile in der Landschaft in den traditionellen niedersächsischen Hochburgen der Massentierhaltung, im Emsiand sowie im Münsterland deutliche Spuren.


Aus unserer Sicht ist die agroindustrielle Hähnchenmast wie auch die im großen Maßstab betriebene Schweine- oder Rindviehmast aus vielfältigen Gründen bedenklich.

Wir lehnen diese Formen der Tierhaltung grundsätzlich ab, weil bei derartigen Stallgrößen eine Tierbetreuung kaum möglich und ein präventiver Arzneimitteleinsatz notwendig ist. Der extreme Tierbesatz vor allem im Endstadium der Mast verhindert ein arttypisches Verhalten, während die züchtungsbedingt sehr kurze Mastdauer von 40 Tagen zu Schäden am Bewegungsapparat führt.


Im Zuge der Globalisierung hat diese Form der Massentierhaltung auch unerwünschte Nebenwirkungen in anderen Ländern.

Gerade die schwächsten, bäuerlich geprägten Gesellschaften in der so genannten Dritten Welt werden von global agierenden AgroKonzernen geschädigt.

Weil in Eurupa nur Brustfilet und Schenkel verzehrt werden, werden die restlichen Teile der Masthähnchen auch mit Hilfe staatlicher Subventionen exportiert.

So werden sie auf den Nahrungsmittelmärkten der armen Länder Afrikas zu Dumpingpreisen entsorgt und ruinieren die dortigen kleinbäuerlichen Geflugelhalter.

 

Gleichzeitig basiert die agroindustnelle Tierhaltung auf globalen Futtermittelimporten und fördert so den Anbau von Monokulturen und den Einsatz der AgroGentechnik


Neben diesen umwelt- und existenzgefährdenden globalen Folgen in anderen Ländern hat die Hähnchenmastindustrie aber auch direkte Folgen für die betroffenen Gemeinden. Noch steht das Agrobusiness insbesondere im Münsterland erst in den Anfängen. Noch wirtschaften die meisten Bauern hier eigenverantwortlich und entscheiden selbststandig darüber was und wie sie produzieren wollen.

Noch sind die meisten Bauernhöfe als bäuerliche Betriebe zu erkennen, die sich über Jahrhunderte entwickelt und die Landschaft der niederdeutschen Tiefebene mitgeprägt haben.


Der Boom der Hähnchenmast gefährdet jetzt massiv die Landschaft, die bäuerliche Landwirtschaft und die weitere Entwicklung des Ländlichen Raumes.

Gerade weil sich hier ein Boom dieser Mastanlagen in Regionen vollzieht, die schon über eine hohe Viehbesatzdichte verfügen, bedeutet der zusätzliche Anfall von Gülle eine potenzielle Gefahr fur Böden und Grundwasser.

 

Die neuen, hundert Meter langen Stallanlagen zerstören die landschaftliche Qualität und führen zu einem kulturelle Verlust Damit geht eine deutliche Schwächung des touristischen Potenzials unserer Regionen einher.

Auch vermindert sich die Wohnqualität der betroffenen Anlieger, die unter der keimbelasteten Abluft, der zunehmenden An- und Abtransporte von Futter, Tieren und Geflügelmist dieser agroindustriellen Einheiten leiden.

Und schließlich nehmen diese Mastkomplexe benachbarten Bauernhöfen über ihren Bestandsschutz Entwicklungsmöglichkeiten in der Zukunft.


Eindeutiges Fazit bleibt für uns, dass bei dieser Form der Massentierhaltung dem Profit einzelner weniger Landwirte und des Agro-Business enorme Verluste gegenüber stehen:
Ganze landwirtschaftliche Regionen werden zu Schmutzräumen, denen eine Entwicklung zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und zu einer touristischen Entwicklung verbaut. Damit wird gleichzeitig ein große Chance vertan, über eine mittelständische vielseitige Wirtschaftstruktur zahlreiche neue Arbeitsplätze aufzubauen.


Wir sind deshalb der festen Überzeugung, dass der weitere ungehemmte Ausbau der Geflügelmastindustrie gestoppt werden muss!
- Wir fordern deshalb den Gesetzgeber auf, auf die neuartige Qualität dieser industriellen Stallanlagen umgehend zu reagieren und solche Bauvorhaben von einer Privilegierung nach §3 Bau GB auszuschließen.


- Wir fordern, dass die Geflügelindustrie keine Exportzuschüsse mehr erhält, da die Exporte kleinbäuerliche Strukturen in Entwicklungsländern zerstört und in
Deutschland den Aufbau einer agroindustriellen Landwirtschaft fördert, deren Erfolg vor allem auf der maximalen Ausbeutung der Tiere basiert.


- Wir fordern die Politik auf, eine nachhaltige und tiergerechte Landwirtschaft wieder stärker zu fördert, und so Bauern Einkommensalternativen zur agroindustriellen Tierhaltung zu ermöglichen.


- Wir fordern alle Handlungsträger in
Politik und Verwaltung auf allen Ebenen dazu auf, sämtliche planungsrechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Ansiedlungen zu minirnieren
und auf Standort mit geringstmöglichen Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner zu beschränken.


- Wir fordern schließlich die Verbraucherinnen und Verbraucher dazu auf, ihre Nachfragernacht gezielt zu nutzen, um den Prozess der Agroindustrialisierung zu stoppen.

Durch Konsumverzicht oder durch den bewussten Kauf von Produkten aus Programmen wie Neuland oder dem ökologischen Landbau kann jeder einzelne eine artgerechte und nachhaltige Landwirtschaft unterstützen.

 

 

im November 2008 Steinfurt/Emsdetten

Wortlaut des Steinfurter Appells

Mitunterzeichner:

BUND - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Kreisgruppe Steinfurt

 
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