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Wirtschaft und Umwelt TAZ Wirtschaft und Umwelt 2./3. Oktober 2008

Honig wird zu Sondermüll

Ein bayerischer Imker muss seine Jahresernte in die Müllverbrennungsanlage bringen, weil sie Pollen von Genmais enthält. Ob er Schadenersatz erhält, ist offen. Politischen Schutz lehnt die Regierung ab. VON HANNA GERSMANN

Karl-Heinz Bablok ist gewohnt, dass der Honig fließt. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Der Imker aus dem bayerischen Kais­heim im Landkreis Donau-Ries hat seine Ernte, 340 Kilo Honig, zur Müllverbrennungsanlage nach Augsburg gekarrt. Dort wurde sie verheizt. Anfangs ist Bablok ganz ruhig, als er die Ge­schichte am Telefon erzählt. Am Schluss ist er richtig sauer.

Bablok ist der erste Imker, der verpflichtet wurde, seine Ernte zu entsorgen, nachdem er den Honig in einem unabhängigen Labor auf Gentechnik hatte tes­ten lassen. Den Namen des Prüfinstituts will Bablok nicht öffent­lich nennen. Vier Gläser Honig hatte er zur Untersuchung ge­bracht, die er aus dem großen Fass Honig in seinem Keller be­füllt hatte. In einem wurden Spu­ren von Blütenpollen entdeckt -Blütenpollen von Genmais der Sorte MON 810. Das habe er dem Veterinär im Landratsamt mitge­teilt, der sonst auch seine Bie­nenstöcke kontrolliere.

Der Mais des US-Agrarkonzerns Monsanto ist nur als Tier­futter, nicht als Lebensmittel zu­gelassen. Nicht die kleinste Spur von ihm darf auf den Teller. So entschied das Augsburger Ver­waltungsgericht schon im Mai dieses Jahres, dass belasteter Ho­nig vernichtet werden muss. Der Tierarzt ordnete also an, den Ho­nig zu entsorgen. Bablok: „Sie dürfen das auch nicht einfach in den Müllcontainer schmeißen." Er musste einen Entsorgungs­nachweis liefern.

Schon lange warnen Imker da­vor, dass es mit dem Honig nicht zum Besten steht. Jahrelang machten den Bienen Ackergifte zu schaffen, dann Milben. Nun werden Genpflanzen zum Pro­blem. Bienen sammeln Nektar von mehreren Millionen Blüten für ein Kilo Honig. In der Regel fliegen sie in einem Radius von 5 Kilometern. Und sie unter­scheiden nicht zwischen Blüten von herkömmlichen und gen­technisch veränderten Pflanzen.

Dabei hat Bablok versucht, sei­ne Bienen von Genpflanzen fern­zuhalten. 2 Kilometer entfernt von seinem Haus baut die Baye­rische Landesanstalt für Land­wirtschaft Genmais an. In die­sem Sommer hat der Imker seine 50 Bienenvölker umgesiedelt -weg aus der Umgebung der staat­lichen Gen-Äcker hin nach Mün­chen in die Nähe des Englischen Gartens. Zudem erntete er den Honig noch vor der Maisblüte Aller Aufwand hat nicht gehol­fen. Trotzdem tauchten in Babloks Honig die fremdartigen Pol­len auf. Bablok vermutet, dass das daher kommt, dass er seine Völker in diesem Frühjahr mit überschüssigen Pollen aus dem letzten Jahr gefüttert hatte. 2007 hatte er die Bienen aber nicht ins ferne Exil verfrachtet und die Ernte nicht testen lassen, weil er sie nicht verkaufen wollte. Die Analysen sind kostspielig. Und Bablok ist Freizeitimker, einer von 80.000 in Deutschland.

Nun kommt ihn das Hobby teuer zu stehen. Bablok rechnet die Ausgaben für 2008 zusam­men: Zur Laborrechnung von 746,73 Euro kommen Kosten für den Umzug der Bienenstöcke-und die Entsorgung der Ernte. Umsatz macht er keinen, der Er­trag fällt aus. „Das kostet mich zusammen an die 10.000 Euro", sagt er. Ob er den Schaden von der Bayerischen Landesanstalt ersetzt bekommt, sei ungewiss.

Lässt sich der Genpollen nicht herausschleudern? „Nein", sagt der Imker. Die Regeln für Honig seien streng: „Sie können nicht einfach was rausnehmen." An­hand der Pollen lässt sich die Herkunft des Honigs erkennen, also seine Qualität. „Das ist doch alles nicht normal", sagt Bablok dann - und meint CSU-Agrarminister Horst Seehofer.

Der erklärte seiner Klientel vor der Landtagswahl in Bayern, keiner müsse sich an Gentechnik gewöhnen, er werde gentechnik­freie Regionen per Gesetz ab­sichern. Viele Bayern wollen dem lieben Gott nicht ins Handwerk pfuschen. Auch andernorts sind Genpflanzen verschmäht: 22.265 Landwirte haben in 105 Regionen Deutschlands erklärt, auf Gen­pflanzen zu verzichten. Recht­lich verbindlich ist das jedoch nicht. Und als die Grünen vor kurzem im Bundestag den An­trag „Gentechnikfreie Regionen stärken - Bundesregierung soll Forderungen aus Bayern aufneh­men und weiterentwickeln" stellten, wollte die Unions-Fraktion davon nichts wissen. Die Ko­alition vertagte das Thema.

Bablok hat seine Bienen letz­ten Sonntag „winterdicht ge­macht", wie er sagt. Jetzt sei „Starre und bis Frühjahr Ruhe". Dann müssen sie wieder ran. Bienen sind die drittwichtigsten Nutztiere des Menschen, nach Rind und Schwein. Mit ihrer Bestäubung sorgen sie für satte Obst- und Gemüseernten. Bab­lok: „Wenn es so weitergeht, muss ich mit den Bienen auf­hören."

Foto: AP Süße Tropfen – mit unerwünschten Inhaltsstoffen.


 
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