Tödliche Schüsse auf Uhu
Tier musste eingeschläfert werden / Umweltministerium eingeschaltet
OCHTRUP/WETTRINGEN •
NABU-Kreisgeschäftsführer Kurt Pick und seine Mitstreiter sind noch immer fassungslos. Am Montagabend informierte sie ein Radfahrer über einen angeschossenen Uhu im Grenzgebiet zwischen Ochtrup und Wettringen.
Der Vogel war so schwer verletzt, dass er von einer Tierärztin eingeschläfert werden musste.
Die Öffentlichkeit wurde von der Kreispolizeibehörde über den Vorfall informiert. Die Beamten selbst hatten am Mittwoch Ermittlungen aufgenommen.
Schrotkugeln
Am Montagmittag hatte ein Radfahrer den verletzten Uhu in einem Wald im Grenzbereich zwischen den Orten Wettringen, Ochtrup und dem niedersächsischen Bad Bentheim gefunden
Der verständigte sofort einen Eulenexperten. „Unser NABU-Fachmann Heinz Fröhlich aus Neuenkirchen ist gemeinsam mit mir zum Fundort gefahren", schilderte Kurt Pick 2. NABU- Kreisvorsitzender, gestern im Gespräch mit unserer Zeitung den Ablauf.
Sie fingen den Vogel ein und brachten ihn zunächst zum Eulenexperten Max Lohmeyer, von dort zur Auffangstation für behördlich beschlagnahmte Tiere in Metelen. Hier untersuchte eine Tierärztin aus Rheine den Uhu.
Kurt Pick: „Das Tier wurde geröntgt. Dabei stellte die Tierärztin fest, dass der Vogel voller Schrotkugeln saß. Ein Bein war durch die Kugeln praktisch zerschmettert, das Gelenk gebrochen, Schrotkugeln fanden sich auch in der Wirbelsäule." Die Tierärztin stellte fest, dass sich die Beinverletzung erheblich entzündet hatte. Die Entzündung war so weit fortgeschritten, dass das Tier eingeschläfert werden musste.
Kurt Pick: „Der Uhu war nicht mehr zu retten."
Die NABU-Mitglieder Pick und Lohmeyer informierten noch am selben Tag die Stabsstelle Umweltkriminalität im Umweltministerium in Düsseldorf. Zugleich erstatteten sie Anzeige bei der Polizei.
Die Beamten untersuchten am Mittwoch den Fundort des Vogels, der an einem Hochwald in der Nähe der Ochtruper Johannesstege (Fußgänger-/Radfahrerbrücke an einem Vorfluter) liegt. Mit den Verletzungen könnte der Uhu bereits seit einigen Tagen unterwegs gewesen sein. Nach Polizeiangaben ist unklar, wo und wie es zu den Verletzungen gekommen ist.
Täterkreis
Der NABU hingegen schränkt den Täterkreis schon ein. Kurt Pick: „Wir vermuten, dass es ein Jäger gewesen ist. Wer sonst schießt denn mit Schrot?"
Auch über die Gründe der Tat hat sich Kurt Pick so seine Gedanken gemacht. „Das ist ein Jagdfrevler. Ich weiß nicht, wie man auf so ein majestätisches Tier schießen kann. Dafür habe ich kein Verständnis. Das war ein Schießwütiger."
Der Schütze habe zudem nicht bedacht, dass der Uhu ein großer Rattenjäger sei. Kurt Pick: „Der Uhu ernährt sich zu 70 bis 80 Prozent von Wanderratten. Der Jäger, der dieses Tier geschossen hat, muss wohl mehr für Ratten als für Vögel empfinden."
Die polizeilichen Ermittlungen dauern an.
Die Polizei bittet Personen, die Angaben zu dem Vorfall machen können, sich unter Tel. (0 25 53) 93 5623 15 zu melden.
EV Rund um Emsdetten v. 25. Juli 2008
Christian Bödding
|