Emsschützer fordern:
Anschluss des Altarms Saerbeck/Hembergen
an die fließende Ems
Hoher Besuch hat sich angemeldet.
Umweltminister Eckhard Uhlenberg
und
Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek
werden sich bei uns im Kreis Steinfurt treffen
– wegen der Ems.
Im Zentrum des Kreises zwischen Saerbeck und Hembergen werden sie gemeinsam mit Behördenvertretern, betroffenen Anliegern und Naturschützern eine Emsbegehung durchführen.
Vor Ort werden sie vor allem einen 2 km langen Altarm (Entrup) besichtigen, der an die fließende Ems wieder angeschlossen werden soll (s. Karte oben).
Das war zwar schon im Jahre 2004 offizielles Regionale- Projekt der Gemeinden Emsdetten und Saerbeck, konnte aber damals nicht klappen, weil zunächst die Eigentumsverhältnisse geregelt werden mussten.
Diese sind aber, wie sich alsbald herausstellte, in diesem Bereich äußerst komplex. Ohne ein vorgeschaltetes Bodenordnungsverfahren war hier also nichts zu machen.
Seitdem herrscht Stillstand.
Inzwischen wurden die bisher zuständigen Behörden (Staatliches Umweltamt, Amt für Agrarordnung) aufgelöst.Schreibtische wurden hin und her geschoben, vor allem aber wurde reduziert und eingespart.
Schlechte Zeiten für Naturschutz-Projekte dieser Größenordnung!
Wenn sich da noch was bewegen sollte, musste Druck gemacht werden. Und so wurden Naturschutzverbände, Heimatvereine Kanu-Club, Angler und Jäger aktiv.
Eine entsprechende Emsresolution haben inzwischen über 500 Bürger unterschrieben.
Vor Ort in Hembergen will man das dicke Unterschriftenpaket dem Minister überreichen. In einem weiteren Schritt sollen dann alle heimischen Landtagsabgeordneten zu einem Ortstermin gebeten werden.
Viel Wirbel also. Und einige werden sicherlich fragen, ob solch ein Aufwand gerechtfertigt ist. Gibt es nicht wichtigere Dinge in unserer Zeit?
Erste Antwort:
Wir können nicht nur, nein, wir müssen in den nächsten Jahren unsere Fließgewässer in einen naturnäheren Zustand bringen.
Da gibt es nicht nur die Wasser-Rahmen-Richtlinie (WRRL) der EU, sondern auch die landesweiten Bestimmungen, die Druck machen: Landeswassergesetz, Gewässer-Auen-Programm, Ems-Auen-Schutzkonzept.
An der Lippe hat man hier deutlich mehr Fortschritte gemacht. Auch an der Ems im Kreis Warendorf bzw. im Raum Münster ist man in Sachen Renaturierung weiter gekommen als bei uns im Kreis Steinfurt. Wir haben also einen Nachholbedarf.
Sollte es aber gelingen, diesen Altarm wieder an die Ems anzubinden, so wäre das ein großer Schritt vorwärts. Zusammen mit den schon renaturierten Bereichen Posberg und Saerbecker Mühlenbach ergäbe sich so ein großes Stück natürlicher Emslandschaft. Sozusagen 2 km Bilderbuch-Ems mehr. Denn sieht man sich mal den kurz vor dem 2. Weltkrieg erfolgten Durchstich an, so kann man verstehen, dass hier ein dringender Handlungsbedarf vorliegt: extrem tief eingegraben, eine kanalartige Rinne mit schnurgeradem Verlauf. Mehr Naturferne ist kaum denkbar, schauderhaft.
Wie bei Ringemanns-Hals am östlichen Stadtrand von Münster ist auch hier geplant, die Ems durch einen stabilen Damm dicht zu machen, so dass sie wieder durch den Altarm fließen muss.
Das ist gewiss nicht so einfach, wie sich das jetzt anhört. Umfangreiche Untersuchungen und Planungen sind erforderlich. Die großen Höhenunterschiede zwischen dem teilweise verlandeten Altarm und der fließenden Ems müssen durch geeignete Maßnahmen überbrückt werden.
Dass das alles machbar ist, beweisen die bereits durchgeführten Projekte. Der besagte Damm quer durch die Ems wird so gestaltet, dass das Hochwasser darüber hinwegfließen kann. Gleichzeitig ist er der Brückenersatz für die schweren landwirtschaftlichen Fahrzeuge (die vorhandene 9 t- Brücke könnte also abgerissen werden).
Ein sicherlich nicht ganz einfaches Projekt. Trotzdem, die Emsschützer kämpfen mit Recht für die baldige Realisierung dieser Pläne.
Schaut man sich nämlich den Altarm an, so kann man ermessen, wie sich hier der einzigartige Sandfluss Ems sein Bett gegraben hat – mit höchst unterschiedlichen Ufern, Sandbänken und auch Kolken.
Eisvogel und Uferschwalben, Schwanenblume und Blaufügel-Pracht libelle, Hecht und Aal finden hier ihren Lebensraum. Schwarzdorn und Pfaffenhütchen bilden dichte Gebüsche: Weit und breit dürfte es kein Gebiet geben, wo so viele Nachtigallen den Maiabend verzaubern. Auch der so seltene Pirol ist hier Stammgast. Sein exotisches Aussehen und sein so melodisches Flöten begeistern jeden Naturfreund.
Und wenn es mal in Zukunft gelänge, den Biber wieder anzusiedeln, hier in diesem Emsbereich könnte er sich (vielleicht) wohl fühlen.
Auch die „Wasserbauer“ werden solch ein Krumm-Machen der Ems begrüßen. Denn je kurvenreicher ein Fließgewässer, desto geringer die Fließgeschwindigkeit. Das aber bewirkt, dass sich Sand in der Sohle absetzt. Der weiteren Eintiefung der Ems wird also gegengesteuert.
Ganz wichtig aber auch: Der Schutz vor Hochwasser wird in keiner Weise geringer. Im Gegenteil, wenn der Ems wieder Gelegenheit gegeben wird, sich in der ganzen Aue breit zu machen, ist die Hochwassergefahr eher geringer.
Hervorzuheben ist auch das Prinzip der Freiwilligkeit. Nur im Einvernehmen mit den Eigentümern gibt es Veränderungen.
Trotzdem: Wenn es jetzt nicht endlich gelingt, in der Landschaft Veränderungen durchzusetzen, waren erhebliche Planungsarbeiten und Landankäufe „für die Katz“. Wir dürfen jetzt nicht auf halbem Wege stehen bleiben.
Bleibt zu hoffen, dass es den Herren Uhlenberg und Dr. Paziorek gelingt, einen Weg zu finden, so dass dieses große Naturschutzprojekt endlich realisiert werden kann.
Schutzgemeinschaft Ems
im März 2008
H. Rinsche
Bürger und Vereine fordern: „Die Ems muss wieder krumm werden!“
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