Nachhaltigkeit
Ein Diskussionspapier zum neuen Jahr 2008
In April 2002 verabschiedete die Bundesregierung die nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Als wichtigste Ziele wurden insgesamt 21 Ziele ökologischer und gesellschaftlicher Art definiert. Für die engagierten Umweltverbände waren insbesondere davon markant:
- Ausweitung des Anteils des ökologischen Landbaus bis 2010 auf 20%;
- Verdoppelung des Bahnanteils an der Güterverkehrsleistung bis 2015 gegenüber 1997;
- Verringerung des Flächenverbrauchs bis 2020 auf 30 ha pro Tag;
. Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2020 auf 20%
Nun sind 5 Jahre vorbei und die Regierung hat begonnen, die Strategie zu überarbeiten, damit im Herbst 2008 der Fortschrittsbericht verabschiedet werden kann.
Aber zuvor sind alle interessierten Bürger/Innen – also wir alle – aufgefordert, uns mit Anregungen und Vorschlägen an der Erarbeitung des Fortschrittsberichtes zu beteiligen!
Also los, fangen wir an. Übrigens hatte der BUND bereits die Erarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie begleitet, um eine ökologisch nachhaltige Entwicklung zu ereichen. Wie damals sind nun wieder insbesondere die Umweltverbände gefragt, vertreten sie doch die Belange Natur- und Umweltschutz als unabhängige Lobbyisten.
Nachhaltige Entwicklung (neudeutsch = Sustainable development) bedeutet: die eigenen Bedürfnisse der heutigen Generation zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden.
Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde vor rd. 300 Jahren in Sachsen erfunden, als man nach dem Kahlschlag der Wälder, deren Holz man für die Erzgruben verwendet hatte, vor dem ökologischen Kollaps stand.
Der Terminus wurde dann 1987 durch die Brundland-Kommission wieder belebt. Aufgrund der rasanten Entwicklung der letzten 150 Jahre ist die heutige Diskussion letztendlich ein Kompromiss um das hohe Wirtschaftswachstum aufgrund einer zunehmenden Weltbevölkerung mit der erforderlichen Integrität des Erdökosystems (Umwelt- und Naturschutz) auch unter dem Aspekt der zukünftigen Perspektiven nachfolgender Generationen in Konsens zu bringen.
| Kurz gesagt: bewahren, schützen und wiederherstellen ohne die Grenzen des Ökosystems Erde zu überschreiten und damit die Zukunftsfähigkeit zu sichern. |
Was bisher geschah : Es fehlt an Geld, an Bildung und Einsicht die Probleme zu sehen und umzusetzen.
Einerseits wird der Planet weiterhin geplündert, die wertvollsten Ressourcen wie Bodenschätze unverbrauchte Landschaft, Klima und Umwelt werden kurzfristigen Profitstreben geopfert,
andererseits versuchen moderne Wissenschaftler, Politiker und Umweltschützer ein Umdenken und Umsteuern herbei zu führen.
Hier seinen nur ein paar Namen genannt:.
1992 Grenzen des Wachstums, Club of Rome,
1996 Zukunftsfähiges Deutschland, ein Projekt von BUND und MISEREOR,
1996 Wuppertal-Institut unter Prof. Ernst Ulrich von Weizäcker
mit der Edition: Erdpolitik, ökologische Realpolitik
2000 Wege zur ökologischen Zeitwende von Rudolf Bahro und Franz Alt
u.s.w.
Was tun, um die Ziele zu erreichen:
Die Bundesregierung:
Am 07.11.2007 beschloss das Bundeskabinett die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Aufgrund des hohen Bevölkerungsdrucks in der EU, durch Land- und Forstwirtschaft, Gewerbe, Industrie, Wohnen, Verkehr und Tourismus sind die natürlichen Lebensräume alarmierend geschrumpft. Viele Tier- und Pflanzenarten stehen auf roten Listen, verschwinden aus den angestammten Lebensräumen oder sterben für immer aus.
Auf 250 Seiten werden die Handlungsfelder ausführlich dokumentiert. Ein erster Schritt ist gemacht, aber zur Dokumentation käme noch das Diktat des Handelns.
Da wie hier sind es nicht nur die Aspekte von Landschafts-, Natur- und Umweltschutz, die in allen Köpfen, insbesondere der Verantwortlichen, zukünftig viel tiefer Einkehr halten müssen. Der unaufhaltsame Klimawandel unter dem Aspekt der nachhaltigen Energieversogung wird und muss unser gemeinsames Handeln in Zukunft prägen.
Öffentliche Hand, Städte und Gemeinden im Kreis Steinfurt, Stadtwerke:
In vielen kleinen Schritten proklamiert man Fortschritte. Die UVP hat sich durchgesetzt. Energiehaushalt Objektmanagement sind Standard geworden.
Aber im Bereich Flächenverbrauch sehe ich keine Fortschritte. In Emsdetten, Saerbeck, und Altenberge u.a. werden wertvolle Landschaften neuen Umgehungstrassenprojekten geopfert. Der Flughafenausbau in Greven wird nicht in Frage gestellt.
Welche der Gemeinden im Kreis erstellt bereits Ökobilanzen für die allgemeine Verwaltung, für den Städtebau, für den Wohn- und Gewerbeflächen? So wird in Emsdetten z. B. aktuell soeben die Innenstadt neu mit Betonstein versiegelt.
Einige Naturschutzgebiete haben sich zu Vorzeigeobjekten gemausert. Aber widerwillig folgt man hierbei den Vorgaben aus Brüssel.
Wie sieht die Energiebilanz unserer Gemeinde aus?
Was können wir tun? Versuchen wir uns einzumischen! Fordern wir einen Statusbericht für unsere Gemeinden im Kreis zu erstellen!
Der private Mensch:
Der ursprünglich jedem einzelnen nur schwer vermittelbare Umweltgedanke, dass die Belastbarkeit der Erde nicht grenzenlos ist, ist inzwischen nahezu Allgemeingut
Aber weiß er auch wie groß sein ökologischer Fußabdruck ist?
Ökologischer Fußabdruck: dies ist eine mathematische Formelsammlung, die einige Organisationen, wie z.B. auch BUND-Jugend, WWF oder BP u.a., entwickelt haben, um Indikatoren für Nachhaltigkeit bzw. eine Messlatte für ökologische Defizite zu finden.
Zwar gibt es viele Unstimmigkeiten in der Definition der Maßeinheiten, aber letztendlich gewinnen wir den Vorteil von langfristig vergleichbaren Parametern, die uns den Handlungsraum aufzeigen.
So müssen wir Menschen letztendlich doch feststellen, dass wir insgesamt zu Viele sind, die den Planeten bewohnen und andererseits ein jeder auf einem zu großen ökologischen Fuß lebt.
Die Bewohner der Nordhalbkugel leben unbestritten seit Beginn der Industrialisierung über ihre Verhältnisse. Die Katalysatoren von Konsum und rigorosem Wirtschaftswachstum prägen das Bild der Landschaften der Welt.
Aber selbst der arme Sahelbewohner im Süden lebt nicht nachhaltig, wenn er sich nicht darum kümmert, dass neue Bäume gepflanzt werden, wo er den letzten Baum zu Brennholz werden ließ.
Die Leute von BP, Esso und Lufthansa, sowie die Vertreter der Montanindustrie glauben den Verbrauch von fossilen Brennstoffen kompensieren zu können. Nur wie könnte man dies, ohne zu tolerieren, dass allein schon durch den Verbrauch der Ressourcen das Klima letztendlich wieder in die Ursuppe zurück verwandelt wird.
Umwelt und Arbeit:
Jeder Mensch muss durch Arbeit seine ökonomischen Belange durch einen honorierten Job regeln. Aber wir sollten unseren Arbeitgebern nicht alles ungefragt durchgehen lassen!
Wissen Sie eigentlich, wie nachhaltig „ihre“ Firma/Verwaltung arbeitet?
Das „Umweltmanagement“ in jeder Firma muss alle Aktivitäten, die tatsächlich und potentiell Auswirkungen auf die Umwelt und den Ressourcenverbrauch haben, ins Kalkül ziehen.
Die Großkonzerne und die Nachhaltigkeit:
Die gesetzlichen Vorgaben und der kapitalistische Markt haben inzwischen durchgesetzt, dass die großen überregional agierenden Aktiengesellschaften Ökobilanzen nach den sustainability -Grundsätzen veröffentlichen.
Ratingagenturen bewerten die Veröffentlichungen nach 200 ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien und machen sie vergleichbar.
Firmen wie die Deutsche Telecom, Henkel, BMW, Siemens, Deutsche Bank, EON usw. legen inzwischen regelmäßig aufwendig gestaltete Nachhaltigkeitsbilanzen vor.
Sie präsentieren darin, wie sie sozial und ökologisch wirtschaftlich erfolgreich arbeiten und sie ihr Umweltmanagement nach akzeptierten Gesichtspunkten organisiert haben, wie sie mit der Bildung ihrer Mitarbeitern umgehen und auch was sie zum Schutz der Artenvielfalt beitragen wollen.
Man mag zu den Großkonzernen stehen wie man will, aber die erforderlichen Veröffentlichungen von Ökobilanzen und Nachhaltigkeitsberichten lassen das gesamte Handeln der Firmen transparent erscheinen. Sie werden vergleichbar und damit kontrollierbar im Fortschritt ihres umweltorientierten Handelns.
Wer sich den Standards langfristig nicht anpasst, wird an Akzeptanz am Markt verlieren und daher Umsatz und Ertrag einbüßen.
Des Weiteren fordern immer mehr aufgeweckte Kapitalanleger, dass die Geldanlage nachhaltigen Gesichtspunkten entsprechen muss (grüne Geldanlage), um so ein reines Gewissen zu behalten.
Die Werbung ist Vorreiter. Dies bestätigt täglich der Blick in die aktuellen Medien. Umweltverträglichkeit ist angesagt und so geben sich die meisten Firmen aus den verschieden Gründen einen nachhaltigen Anstrich.
Die mittelständische Wirtschaft:
Was in den meisten größeren öffentlichen Aktiengesellschaften allmählich Usus wird, ist in vielen Verwaltungen und in den mittelständischen und Kleinunternehmen inzwischen auch durch massive öffentliche Förderung angekommen. Unter dem Label der Agenda 21, dem Projekt Futura 2000, Ökoprofit und den Fördermaßnahmen der KfW haben diese Firmen Sinn und Wert eines nachhaltigen Wirtschaftens erkannt. Mit eigenen Ökobilanzen und Nachhaltigkeitsberichten und den zugrundeliegenden dementsprechenden Änderungen ihres Handens werden daraus mehr als nur wirtschaftliche Vorteile generiert.
Leider gibt es aber auch noch viele wirtschaftlich Handelnde, die die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben. Und diese gilt es aufzuspüren und zu einer Verhaltensänderung zu bewegen.
Zum Schluss noch einige Fragen:
Hat Ihr Arbeitgeber / Ihre Firma / Ihre Gemeindeverwaltung u.a. inzwischen ein Nachhaltigkeitsprogramm?
Hat Ihr Chef die Zeichen der Zeit erkannt, ist er ökologisch, sozial orientiert?
Werden lediglich gesetzliche Standards eingehalten oder gibt es darüber hinaus eine ökologisch nachhaltige Orientierung?
Gibt es:
- eine spezifische Nachhaltigkeitsstrategie für alle relevanten Geschäftsbereiche mit zeitlicher Zielsetzung
- ein Umweltmanagement
- eine Strategie zur CO2 Minderung
- eine Strategie zur Minderung der Energieverbrauchs – ganz ohne Atomstrom-
- Gewässerschutz, Ressourcenschonung Wasser
- Abfallvermeidung und echtes Recycling, (keine thermische Verwertung)
- ein Mobilitätskonzept mit Einbindung der Bahn
- eine Analyse der Umweltchancen und –risiken des Produktportfolios
- Umweltbildung, Mitarbeiterqualifizierung,
- ein Rahmenkonzept einer nachhaltigen Bildung
- eine Kommunikation
- ein ökologisch orientiertes Einkaufs- und Vertriebs management |
Die Nachhaltigkeit ist ein weites Feld, hoch interessant, brisant und immer aktuell. Daher mein Appell, mischen wir uns ein, stellen Fragen. Damit wir unseren nachwachsenden Generationen genügend Handlungsspielräume überlassen.
Bleiben wir im Gespräch.
DiskutierenSie mit uns!
Friedel Hesseling
Emsdetten, in Januar 2008
Fotos: UBA / Citroen AG (Werbung) / Deutsche Bahn AG (Werbung)
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