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Bach lief ins neue Bett

Emsdettener Volkszeitung vom

16. Dezember 2006

 

EMSDETTEN • In sein „altes" Bett zurück zog gestern der Mühlenbach. Zwischen alter Kläranlage und Brücke Bisping wurden aus einen gradlinigen Flusslauf 600 Meter Schlangenlinien: Im Durchschnitt jetzt 2 Meter tief und 5.5 Meter breit: 6,6 Mio. Liter passen in diese natürliche „Badewanne".

Kurz nach zehn Uhr lief die komplette Rinne am Morgen voll. Es waren nur noch zwei Baggerschaufeln voll Sand, die den ursprünglichen Bach belebten, das alte Stück ab­banden. Im Beisein von Mitarbeitern des Staatlichen Umwelt-Amtes (StUA)" Münster und Naturschützern wurde kurz nach 10 Uhr die letzte Barriere entfernt. Nachdem wenige Sekundenlang nur ein kleines Rinnsal den neu­en Raum erobern wollte, drängte zwei Minuten später das Wasser ins neue Bett, so dass der neue Abschnitt schnell knietief voll lief.

10.17 Uhr ergoss sich zum ersten Mal der „neue" Mühlenbach etwa 100 Meter vor dem alten Wehr tosend in die Ems.

Auch für Franz Reinhard, Dezernent für landeseigene Gewässer beim StUA, kein alltäglicher Vorgang, der durchaus doch mit Unwägsamkeiten verbunden war:

„Wir haben schon gehofft, dass nicht zu plötzlich zu viel Wasser hineinfließt. Dann hätte vielleicht die Gefahr bestanden, dass der Bach im Mittelteil über die vorhandenen Senke hinausgeflossen wäre, statt den vorgegebenen Rechtsknick mitzunehmen."

Das blieb aus. Schäumend fraß sich das Wasser voran, zunehmend an der gebaggeren Böschung „knabbernd". „Pro Seite wird sich der Bach noch gut einen Meter nehmen", war sich Naturschüter Heinz Rinsche sicher. „Und wir müssen abwarten, wie das hier bei Hochwasser aussieht." Zwei Jahrzehnte lang hatte er für diese Renaturierungsmaßnahme geworben und gekämpft. „Die alte Mündung wurde zwischen 1935 und 1940 ausgebaut", sagte er. Nach 70 Jahren ist der Mühlenbach somit ges­tern in sein ursprüngliches Flussbett zurückgekehrt. • ras

 

Renaturierung:

180 000 Euro hat die Renaturierungsmaßnahme zwischen Holzbrücke am Knollenkamp und Brücke an der Sinninger Straße gekostet.

"Mitte November waren erste Bagger und Erdschieber angerückt, um den neuen Graben zu ziehen. Gestern war es geschafft.

Ein Großteil des Sandes wurde in die Ems geschüttet:

„Das ist bei der Länge der Ems kein Problem. Es ist ein Sandfluss, da schlägt eine solche Größenordnung nicht zu Buche", so Heinz Rinsche von der Schutzgemeinschaft Ems.

•Ausgekoffert wurde die neue Rinne im Mittel 1,80 Meter tief. Von Ufer zu Ufer misst das neue Flussbett später oben etwa 15 Meter, in der Sohle zwischen 8 und 10 Meter. Bis zu vier Meter tief sind einige Stellen im neuen Teilstück des Mühlenbachs.

"Der künftige Flussverlauf wurde grob vorgegeben. Das endgültige Bett wird sich der Mühenbach auf den freien Flächen dann letztlich selbst suchen", so Franz Reinhard, Dezernent für landeseigene Gewässer beim StUA.

• Die Bezirksregierung hatte An­fang des Jahres die Maßnahme genehmigt, die die Umweltschützer seit Jahren gefordert hatten. Für die Durchführung selbst ist das Staatliche UmweltAmt (StUA) Münster verantwortlich.

•Anpflanzungen werden keine vorgenommen. Auf einem zehn Meter breiten Seitenstreifen wird Mutterboden aufgeschoben. Die entsprechende Vegetation soll sich dann von selbst ansiedeln.

•Der Altarm bleibt bestehen, wird zum Biotop mit Furt, als Durchfahrt für Traktoren. • ras

EV-Fotos Schacke

Es musste das ganze Flussbett ausgekoffert werden. „Wir hätten auch abbinden und nur grob den Weg vorgeben können. Bei einer solchen Größenordnung und so stadtnah haben wir den ordentlichen Ausbau natürlich vorgezogen", so Franz Reinhard.

 

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